3.7 Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Änderungen von Schätzungen und Fehlern


3.7.1 Definitionen
3.7.2 Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
3.7.3 Änderungen von Schätzungen
3.7.4 Berichtigung von Fehlern aus früheren Perioden
3.7.5 Ausweis im Anhang

3.7.1 Definitionen

Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind die spezifischen Grundsätze, Grundlagen, Konventionen, Regeln und Verfahren, die eine Einheit für die Aufstellung und Darstellung des Abschlusses anwendet.

Die Änderung einer Schätzung ist eine Anpassung des Buchwerts eines Vermögenswerts bzw. einer Verbindlichkeit oder eine Anpassung des Betrags des periodischen Wertverzehrs. Anpassungen werden anhand einer Beurteilung von aktuellen Informationen vorgenommen. Berücksichtigt werden der voraussichtliche künftige Nutzen von Vermögenswerten sowie die Verpflichtungen und Verbindlichkeiten. Änderungen von Schätzungen beruhen auf neuen Informationen oder Entwicklungen und sind dementsprechend keine Korrektur von Fehlern.

Fehler aus früheren Perioden sind das Weglassen oder die fehlerhafte Darstellung von Posten im Abschluss einer Einheit für eine oder mehrere frühere Perioden, die (kumulativ)

  • sich aus einer Nicht- oder Fehlanwendung von verlässlichen Informationen ergeben haben; und
  • die zum Zeitpunkt der Freigabe zur Veröffentlichung des Abschlusses dieser Perioden verfügbar waren; und
  • deren Eingang und Berücksichtigung bei der Erstellung und Darstellung dieser Abschlüsse vernünftigerweise hätte erwartet werden dürfen.

Prospektive Anwendung einer Änderung bedeutet, dass die Änderung für die gegenwärtige und für die zukünftigen Perioden angewendet werden muss.

Demgegenüber bedeutet eine retrospektive Anwendung, dass auch die vergangenen Perioden anzupassen sind. Es wird das Bild vermittelt, als wären die neuen Grundsätze schon immer angewendet worden. Bei einer retrospektiven Anpassung werden Erfassung, Bewertung und Angabe von Beträgen in Bestandteilen eines Abschlusses so korrigiert, wie wenn der Fehler in den früheren Perioden nie vorgekommen wäre.

3.7.2 Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden dürfen nur dann geändert werden, wenn diese Änderung (a) von einem IPSAS vorgeschrieben ist oder (b) dazu führt, dass der Abschluss verlässliche und relevantere Informationen über die Auswirkungen von Transaktionen sowie andere Ereignisse und Bedingungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie den Cashflow der Einheit bereitstellt.

Der Entscheid, ob eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode geändert wird, liegt bei der EFV. Eine Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden hat grundsätzlich retrospektiv zu erfolgen.

Eine retrospektive Anpassung wird im Grundsatz ab einer betragsmässigen Auswirkung von 500 Millionen vorgenommen. In begründeten Einzelfällen kann eine retrospektive Anpassung auch bereits ab 100 Millionen notwendig sein. Über die Durchführung eines Restatements entscheidet die EFV in Abstimmung mit der EFK.

3.7.3 Änderungen von Schätzungen

Viele Bilanzpositionen können nicht präzise bewertet werden, sondern unterliegen Schätzungen bzw. Annahmen. Schätzungen sind für einen Abschluss unabdingbar und notwendig und bedeuten keine Beeinträchtigung der Verlässlichkeit, wenn sie vernünftig vorgenommen werden und auf aktuellen Informationen beruhen. Eine Schätzung hat auf der Grundlage der zuletzt verfügbaren, verlässlichen Informationen zu erfolgen.

Die Auswirkung einer Änderung einer Schätzung ist grundsätzlich prospektiv ergebniswirksam zu erfassen. Das bedeutet, die Änderung hat in der aktuellen und in den zukünftigen Perioden zu erfolgen.

3.7.4 Berichtigung von Fehlern aus früheren Perioden

Fehler können aus der Erfassung, Bewertung, Darstellung oder Offenlegung von Bestandteilen eines Abschlusses entstehen. Als solche Fehler gelten auch die Auswirkungen von Rechenfehlern, Fehlern bei der Anwendung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Versehen oder Fehlbeurteilungen von Sachverhalten sowie Betrug.

Werden Fehler nach der Freigabe zur Veröffentlichung entdeckt, sind sie im nachfolgenden Abschluss grundsätzlich retrospektiv zu korrigieren. Der Entscheid, ob ein Fehler aus früheren Perioden korrigiert wird, liegt bei der EFV.

Eine retrospektive Anpassung wird im Grundsatz ab einer betragsmässigen Auswirkung von 500 Millionen vorgenommen. In begründeten Einzelfällen kann eine retrospektive Anpassung auch bereits ab 100 Millionen notwendig sein. Über die Durchführung eines Restatements entscheidet die EFV in Abstimmung mit der EFK.

3.7.5 Ausweis im Anhang

Angaben aus freiwilligen Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

  1. Die Art der Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden;
  2. Die Gründe, weshalb die Anwendung der neuen Bilanzierungs- und Bewertungsmethode zuverlässige und relevantere Informationen vermittelt;
  3. Den Anpassungsbetrag für jede einzelne betroffene Position des Abschlusses für die Berichtsperiode sowie, soweit durchführbar, für jede frühere dargestellte Periode;
  4. Den Anpassungsbetrag, soweit durchführbar, im Zusammenhang mit Perioden vor denjenigen, die ausgewiesen werden; und
  5. Sofern eine retrospektive Anwendung für eine bestimmte oder mehrere frühere Perioden vor den ausgewiesenen Perioden undurchführbar ist, so sind die Umstände aufzuzeigen, die zu dieser Situation geführt haben, unter Angabe, wie und ab wann die Änderung der Bilanzierung- und Bewertungsmethode angewendet wurde.


Angaben zur erstmaligen Anwendung eines neuen IPSAS richten sich nach diesem Standard.

Angaben aus Änderungen von Schätzungen:

  1. Eine Einheit hat die Art und den Betrag einer Schätzungsänderung anzugeben, die eine Auswirkung in der Berichtsperiode hat oder von der erwartet wird, dass sie Auswirkungen in zukünftigen Perioden hat, es sei denn, dass die Angabe der Schätzung dieser Auswirkung auf zukünftige Perioden undurchführbar ist;
  2. Erfolgt die Angabe des Betrags der Auswirkung auf zukünftige Perioden nicht, weil die Schätzung dieser Auswirkung undurchführbar ist, so hat die Einheit auf diesen Umstand hinzuweisen.

Angaben bei Fehlern aus früheren Perioden:

  1. Die Art des Fehlers aus einer früheren Periode;
  2. Die betragsmässige Berichtigung für jede einzelne betroffene Position des Abschlusses für jede frühere dargestellte Periode;
  3. Die betragsmässige Berichtigung am Anfang der frühesten dargestellten Periode;
  4. Wenn eine retrospektive Anpassung für eine bestimmte frühere Periode undurchführbar ist, so sind die Umstände aufzuzeigen, die zu diesem Zustand geführt haben, unter Angabe wie und ab wann der Fehler berichtigt wurde.

In den Abschlüssen späterer Perioden sind diese Angaben nicht mehr notwendig.

Sämtliche Angaben aus Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, aus Änderungen von Schätzungen oder bei Fehlern aus früheren Perioden werden in einem separaten Kapitel im Anhang zur Staatsrechnung offen gelegt.

 

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Seiteninformationen
Herausgeber: Eidgenössische Finanzverwaltung EFV
Gültigkeitsbereich: Bundesverwaltung
Gültig ab: 27.01.2015
Gültig bis: Auf Widerruf
Letzte Änderungen: 27.01.2015